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Villa "La Chance"

Obgleich Paul Hindemith bereits im Herbst 1951 seine Lehrtätigkeit in Zürich aufgenommen hatte, konnte er sich zunächst offensichtlich nicht entschließen, endgültig nach Europa zurückzukehren und unterrichtete zunächst auch weiterhin an der Yale University; am 2. Mai 1953 verabschiedete er sich aber schließlich doch mit einer grandiosen Farewell-Party von seinen Studenten in New Haven.
Wenige Monate später, am 1. September 1953, bezogen Paul und Gertrud Hindemith in Blonay die Villa la Chance, in der sie ihre letzen zehn gemeinsamen Lebensjahre verbringen sollten. Bewusst hatte sich das Ehepaar dort am Genfer See abseits des Zürcher Universitätsbetriebs ein privates Refugium geschaffen, dessen Adresse nur engsten Freunden und Verwandten bekannt war.
Offiziell war Hindemith lediglich über eine Konzertagentur zu erreichen oder unter der Adresse seiner Zürcher Wohnung, die er während des Semesters nutzte.
In einem großen Garten, den Paul und Gertrud Hindemith häufig gemeinsam pflegten, liegt die Villa "La Chance" an einem steilen Berghang am Rande von Blonay. Zwischen den teils ausgedehnten Konzertreisen, zog sich Paul Hindemith zur Arbeit in die Abgeschiedenheit dieses Hauses zurück.

Neben seinem eigentlichen Arbeitszimmer in der ersten Etage des Hauses, das er wegen seiner großen Fensterfront als "Aquarium" bezeichnete, nutzte Hindemith eine kleine Gartenlaube als Komponierhäuschen. Von diesen beiden Plätzen aus konnte er eine eindrucksvolle Aussicht über den Genfer See hinweg auf die Walliser und Savoyer Alpen genießen.

Beim Einzug in Blonay führten die Hindemiths in La Chance ihren Besitz aus drei Lebensabschnitten zusammen; zu ihrem amerikanischen Eigentum aus den gerade zurückliegenden Jahren in New Haven kamen einige Dinge aus der Zeit des schweizerischen Exils und große Teile ihres deutschen Besitzes, der die Bombenangriffe auf Berlin mit nur geringen Schäden überstanden hatte. Wenige Tage nach dem Umzug bemerkt Paul Hindemith in einem Brief an Karl Bauer, "es ist sehr seltsam, sich nach so vielen Jahren wieder in seinem Eigentum zu bewegen" und Gertrud Hindemith schildert der Frankfurter Pianistin Emma Lübbecke-Job den Einzug in La Chance: "Zum ersten Mal seit 15 Jahren haben wir nun alles unter einem Dach vereint, wir haben noch lange nicht alles fertig ausgepackt und untersucht. Es war eigenartig eine längst begrabene Zeit wieder erstehen zu sehen, dutzende von Gesichtern auf Photographien, an die man sich nicht erinnern kann ... da spürt man erst, welch tiefer Schnitt solch eine Emigration bedeutet. Die alten Möbel haben am besten ausgehalten; trotz Bomben und Wasser-Schäden sind sie herrlicher denn je und passen gut in dies Haus, das ein Besitzer um 1900 mit Butzenscheiben und sonstigen antikisierenden Attributen versehen hat."
Gertrud Hindemith bewohnte das Haus nach dem Tod ihres Mannes noch weitere vier Jahre und begann in dieser Zeit die Archivierung der Dokumente aus dem Nachlass Paul Hindemiths.

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