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Geschichte und Entwicklung

Die Geschichte und vor allem auch die Entstehung des Hindemith-Musikzentrums, vormals Centre musical de la Fondation Hindemith Chalet de Lacroix, sind eng mit dem amerikanischen Musikerehepaar Helen und Howard Boatwright und mit Marius Décombaz, Notar in Vevey, verbunden.
Schon die langjährigen Besitzerinnen des Chalets, die Töchter des Victor de Lacroix, welche der Musik sehr verbunden waren, stellten fallweise ihr großes Haus Musikern der Region als Arbeitsstätte zur Verfügung. Kurse, Konzerte, Kammermusikwochenenden und vieles mehr wurden hier durchgeführt und viele junge Musikstudierende, die heute anerkannte Musiker sind und erfolgreich im Konzertleben stehen, machten damals in diesem Haus ihre ersten Schritte ins Konzertleben, bzw. bereiteten sich darauf vor. Dies erfuhren die Boatwrights über ihren in Vevey lebenden Freund, den Sänger Hugues Cuenod.
Im Sommer 1968 kamen die Boatwrights, beide Professoren an der Universität von Syracuse in den Vereinigten Staaten, ein erstes Mal nach Blonay, um das Grab und den letzten Wohnort von Gertrud und Paul Hindemith aufzusuchen. Howard Boatwright war zunächst Hindemiths Schüler und später dessen Kollege; er kannte demnach Hindemiths außerordentliche Fähigkeiten als Lehrer aus eigener Erfahrung und wollte Hindemiths pädagogische Anliegen in Sommerkursen fortsetzen. Diesem ersten Aufenthalt der Boatwrights in Blonay sollten schließlich 20 weitere mit ihren eigenen und fremden Studenten folgen und der Wunsch, Blonay als europäische Außenstelle der Universität von Syracuse im Sommer zu etablieren, wurde dadurch auf inoffizielle Art und Weise Tatsache. Die Kurse der Boatwrights, die mit Hugues Cuenod zusammen als Gesangsdozenten ab 1969 durchgeführt wurden, nannten sich "Ecole Hindemith". Demzufolge wurden die Konzerte, welche in der Kirche La Chiésaz der benachbarten Gemeinde St-Légier durchgeführt wurden, "Concerts Hindemith", danach "Journées Paul Hindemith" genannt.

All' diese Aktivitäten waren dem eingangs erwähnten Juristen Marius Décombaz bekannt, nahmen doch die Boatwrights mit Hugues Cuenod zusammen sofort mit ihm Kontakt auf. Als Testamentsvollstrecker und langjährigen Vertrauten Gertrud und Paul Hindemiths interessierten ihn diese Kurse sehr und in ihm reifte der Gedanke, das Chalet de Lacroix für die Stiftung zu erwerben. Dadurch konnte der im Testament genannte Stiftungsauftrag, auch im musikpraktischen Bereich tätig zu werden, ein eigenes Haus finden: 1974 wurde zunächst ein erster Teil des Hauses von einer der beiden Besitzerinnen gekauft, am 12. August 1976 ging der zweite Teil und damit schließlich das ganze Chalet de Lacroix mit dem großen Park von 17'000 m2, seinem alten Baumbestand und dem unvergleichlichen Blick auf den Genfer See in den Besitz der Hindemith-Stiftung über. Der zweite entscheidende Schritt der noch jungen Hindemith-Stiftung, nach Eröffnung des musikwissenschaftlich ausgerichteten Hindemith-Institutes in Frankfurt, war somit getan.
Dem Kauf des Hauses de Lacroix folgte eine längere Phase des Um- und Ausbaus: Badezimmer, Duschen, eine Küche und vor allem drei Arbeitsstudios im Untergeschoss wurden eingerichtet, um den Gästen eine optimale Unterkunft und ein Arbeiten in Ruhe und inspirierender Atmosphäre zu ermöglichen.

Schließlich konnte am 1. Juli 1978 die offizielle Einweihung des Hauses während der 10. Saison der "Journées Paul Hindemith" stattfinden. Das Konzert vom 30. Juni stand unter dem Titel "Hommage à Helen et Howard Boatwright à l'occasion de la 10e session de l'École Hindemith". Mit großem Idealismus und persönlichem Einsatz betreute Marius Décombaz selbst die ersten Kurse der Hindemith-Stiftung, bis der Andrang schließlich zu groß wurde und 1980 eine "résidente", eine "gute Seele des Hauses" in der Person von Anne-Charlotte Van Cleef für diese Aufgabe gefunden wurde.

In den Folgejahren blühten die Aktivitäten des Hauses so richtig auf: die Mitglieder des Stiftungsrates regten das Kommen vieler berühmter Musikerpersönlichkeiten an. Neben den im zweiten Jahrzehnt stehenden "Journées Paul Hindemith" mit Konzerten und Vorträgen, wurden Kurse, Akademien und andere Veranstaltungen durchgeführt. Außer den schon genannten Helen und Howard Boatwright und Hugues Cuenod konnte das Melos-, das LaSalle-, das Kreuzberger-, das Buchberger-Quartett, das Quatuor Sine Nomine, Bruno Giuranna, Siegfried Palm, Saschko Gawriloff, Johannes Goritzki, Karl Engel, die Musikwissenschaftler Andres Briner, Alfred Rubeli, Bernhard Billeter, Theo Hirsbrunner, Kurt von Fischer, Dieter Rexroth und Giselher Schubert gewonnen werden. Als weitere Musikerpersönlichkeiten, die in Lacroix unterrichteten, sind Igor Ozim, Walter Levin, Giacinto Caramia, Rocco Filippini, Bruno Canino, Gidon Kremer, Thomas Hengelbrock und Edison Denissov zu nennen. Nach Blonay kamen unter anderen das Freiburger Barockorchester, das Concerto Köln, die Junge Deutsche Philharmonie, die Deutsche Kammerphilharmonie und das Ensemble Contrechamp aus Genf .
Neben diesen Aktivitäten mit internationalem Renommee waren aber auch von allem Anfang an ganz im Sinne Paul Hindemiths Kammermusikgruppen, Orchester und Chöre mit Laien sowie Gesangsklassen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland für Wochenenden, Studienwochen, oder zur Konzertvorbereitung Gäste im Musikzentrum. So wurde das schöne Haus vielen Personen aus nah und fern ein erbaulicher und erholsamer Ort, an dem es sich ausgesprochen gut arbeiten ließ, viele von ihnen kamen gerne jedes Jahr nach Lacroix zurück.

Die noch immer zunehmenden Aktivitäten des Musikzentrums machten den Bau eines weiteren Hauses notwendig: 1988 wurde der so genannte "Pavillon", ein Gebäude mit 10 Doppelzimmern, einem mittelgroßen Arbeits- und Konzertraum und zwei zusätzlichen Proberäumen eingeweiht. Das Hindemith-Musikzentrum hatte dadurch seine heute bekannte Größe erreicht.
1997 wurde das große Engagement der Hindemith-Stiftung gegenüber dem Musikzentrum erneut durch einen wichtigen Entscheid des Stiftungsrates unterstrichen, das ehemalige "Gärtnerhaus", das dritte Gebäude auf dem Grundstück, welches sich in einem baulich desolaten Zustand befand, wieder herzustellen. Auch ein Abriss und ein Neubau wurden damals in Erwägung gezogen, der schönen und erhaltenswerten Bausubstanz wegen wurde aber zu Gunsten einer Renovation entschieden.

Die "Résidente" der ersten zwanzig Jahre, Anne-Charlotte Van Cleef, kündigte ihren Weggang an, sie zog sich in den verdienten Ruhestand zurück und übergab ihre langjährige Wirkungsstätte an Samuel Dähler. Er leitete das Musikzentrum als Direktor vom 1. April 2000 bis zum 30. September 2003. Während dieser Zeit trug er auch die Verantwortung für die Inhalte der Kurse, erweiterte das Angebot des Musikzentrums und regte damit neue Gruppen an, nach Blonay zu kommen.

 

Seit dem 1. Januar 2004 leitet Marcel Lachat das Hindemith Musikzentrum in Blonay. Diese Tätigkeit bedeutet für ihn einerseits eine neue Herausforderung und Richtungsänderung seiner bisherigen beruflichen Laufbahn, andererseits jedoch auch eine gewisse Kontinuität in Bezug auf die ihm am Herzen liegende Gastfreundschaft.

Somit liegen die Direktion und die Koordination der verschiedenen Aktivitäten des Musikzentrums, seine Entwicklung und seine Verwaltung fortan in den Händen eines Hotelfachmanns, der für eine professionelle Führung und einen einwandfreien Unterhalt bürgt.

Marcel Lachat freut sich, sein Wissen und Können sowie seine ganze Energie in den Dienst der Hindemith Stiftung zu stellen und dazu beizutragen, die Ausstrahlung vom Musikzentrum im In- und Ausland zu vergrössern.

 

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